Umgang mit herausforderndem Verhalten

Esszimmer

Herausfordernde Verhalten von Menschen mit Demenz

Ausgestattet mit dem Wissen über herausforderndes Verhalten von Menschen mit Demenz können pflegende Angehörige effektiv Vorsorgemaßnamen treffen und somit vielen Gefährdungen vorbeugen.

Das herausfordernde Verhalten von Menschen mit Demenz wirkt sich bei den pflegenden Angehörigen oft in Form starker psychischer Belastung aus.Es erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Flexibilität und Kreativität, um in diversen Situationen angemessen zu reagieren. Deshalb ist es notwendig, Ihnen dafür spezielle Informationen zum Umgang mit aufforderndem Verhalten zu geben. (Das frühere „herausfordernde Verhalten“ wird nach dem neuen Expertenstandard als „aufforderndes Verhalten“ beschrieben.)

„Verbessere mich nicht, das macht mich nur wütend!“

Diese Verhaltensweisen sind in der Demenz begründet, doch haben sie oft noch einen anderen Grund. Versuchen Sie, die Auslöser zu erkennen, indem Sie sich die Lebensgeschichte (Biographie) des Demenzkranken näher anschauen und nach sogenannten Schlüsselerlebnissen suchen. In der Regel sind es prägende Erlebnisse, beispielsweise Kriegserfahrungen, die im Erkrankten wieder aufleben und ihm in diesem Moment real erscheinen.

Es besteht also eine für ihn wirkliche Situation, die Angst, Wut, Zorn usw. hervorrufen kann. Deshalb ist es wichtig, die Biographie des Erkrankten zu kennen, damit Sie in dieser Situation richtig handeln können. Das schützt Sie als pflegenden Angehörigen und hilft dem Demenzkranke aus seiner Not. Durch Beschäftigung und Bewegung kann solchen Situationen vorgebeugt werden: So werden Anspannungen abgebaut und die betroffenen Personen auf andere Gedanken gebracht. Es kann jedoch vorkommen, dass der Erkrankte trotzdem in diese Verhaltensweisen verfällt. Was Sie dann tun können, entnehmen Sie der folgenden Handlungsempfehlung.

Das können Sie tun:

Handlungshilfe „Wütendes, eigenwilliges, zorniges und uneinsichtiges Verhalten“
  • Nehmen Sie Anschuldigungen und Beleidigungen nicht persönlich!
  • Je mehr Sie dagegen angehen, desto mehr schaukelt sich die Situation hoch.
  • Vermitteln Sie Ruhe.
  • Widersprechen Sie nicht.
  • Werden Sie nicht laut und sprechen Sie ruhig.
  • Gehen Sie auf die Gefühle ein („Du bist aber ganz schön wütend/zornig! Da kann man auch wütend sein.“) und nehmen Sie dem Kranken so den Wind aus den Segeln.
  • Gehen Sie auf positive Lebensabschnitte/-phasen ein (Berufe, Hobbys).
  • Halten Sie den Demenzkranken nicht gewaltsam fest.
  • Lenken Sie ihn ab und erwähnen Sie den Streitpunkt nicht (auf etwas Positives hinlenken).
  • Für Sie unverständliche Dinge einfach hinnehmen.
  • Setzen Sie Grenzen! („Das möchte ich nicht!“)
  • Achten Sie auf Ihre Sicherheit (gehen Sie aus dem Raum).
  • Versuchen Sie herauszufinden, was der Grund oder Auslöser für das Verhalten war; wenn möglich, vermeiden Sie diese Situationen und/oder Auslöser.
  • Suchen Sie rechtzeitig Hilfe!


  • Wichtig ist, immer wieder den eigenen Service zu überdenken: Was kann der Mensch mit Demenz noch selbst, wo kann ich ihn fördern? Nur da Hilfe geben, wo sie nötig ist!
  • Manchmal ist eine gewisse Toleranz nötig: Nicht eingreifen, wenn ein älterer Mensch mit Demenz den Kaffee mit der Kuchengabel umrührt oder mit den Fingern isst.



„Selbstsorge und Achtsamkeit“

Die Selbstsorge gerät oft in Vergessenheit! Sie wird immer hintenangestellt. Sie wird verschoben, auf nachher, auf morgen, auf nächste Woche! Was bleibt? Oft nicht einmal der Gedanke daran, dass man etwas für sich tun wollte! Deshalb ist es wichtig, Selbstsorge fest einzuplanen, um gestärkt Belastungen entgegenzuwirken oder sogar Belastungen vorbeugen zu können.

Planen Sie von Anfang an Selbstsorge für sich ein. Das heißt, dass Sie von Beginn der Pflegesituation an auch an sich denken müssen. Selbstsorge umfasst die geistige, psychische und körperliche Gesundheit und hält Menschen in der Balance. Nur so fühlt man sich ausgewogen und ist leistungsfähig. Selbstsorge beinhaltet für jeden Menschen etwas Anderes und wird deshalb auf unterschiedlichem Wege erreicht. Das bedeutet, dass es etwas gänzlich Individuelles ist. Es ist von den Bedürfnissen des Einzelnen abhängig und steht im Zusammenhang mit der Lebenssituation, dem Alter und der Gesundheit.

Verschiedene Angebote und Tätigkeiten tragen zur Selbstsorge bei:

  • Entspannungskurse, Fitnesskurse
  • Regelmäßig einem Hobby nachgehen
  • Regelmäßig mit Freunden treffen

Wege zur Selbstpflege:

  • Grenzen ziehen – lernen, „nein“ zu sagen
  • Gute Zeiteinteilung (Zeitmanagement)
  • Entlastende Dienste und andere Helfer einplanen
  • Achtsam mit sich umgehen
  • Regelmäßig Pausen einlegen
  • Regelmäßig entspannen
  • Sozialkontakte pflegen
  • Totale Auszeiten planen (Urlaub)

Sie sollten aktivierende Pflege einüben (den erkrankten Menschen einbeziehen; Tätigkeiten, die er noch selbständig erledigen kann, allein machen lassen, auch wenn es länger dauert oder er es nur mit einer Anleitung schafft).

Schaffen Sie sich Ihre eigenen Netzwerke und Tagespläne

Ein Netzwerk zur Entlastung kann in der Realität aus einer Verknüpfung von Menschen und Institutionen bestehen. Auf dem Papier kann ein Netzwerk eine Übersicht (hier als Kreisdiagramm) sein, in das Sie als pflegende Person wichtige Eintragungen vornehmen können, sodass Nummern und Ansprechpartner immer griffbereit sind. Es verschafft Ihnen einen Überblick, welche Institutionen und wen Sie zusätzlich zur Unterstützung und Entlastung einplanen können. Durch Gespräche und Zusammenarbeit mit den einzelnen Institutionen und Menschen (Familie, Freunde, Nachbarn, Beratungsstellen) sammeln Sie Informationen, Möglichkeiten und Ideen, die Sie vorher nicht hatten.

Ein Netzwerk sollte immer folgende Institutionen beinhalten:

Pflegeberatungsstellen (ausführliche Informationen und Beratung) Pflegekurse (Organisation, Informationen, Pflegetechniken und Austausch) Entlastende Dienste/Familie, Freunde und Nachbarn (Entlastung, Freiräume) Institutionen zum eigenen Wohlbefinden (Entspannungskurse, Wassergymnastik, Massagen, Rückenschule, Freunde treffen usw.)

Den neuen Alltag bewältigen und sich selbst dabei nicht vergessen!

Alles braucht eine gute Organisation, deshalb ist es sinnvoll, sich einen Tages-/Wochenplan (in Form einer Tabelle) zu erstellen, in den Maßnahmen zur Selbstsorge und Arbeitsabläufe geplant werden können. Eine zusätzliche Spalte für entlastende Dienste und andere Helfer (wie z. B. Familienmitglieder, Nachbarn und ehrenamtlich Tätige) aufzuführen ist wichtig, denn die Arbeit muss auf mehrere verlässliche Schultern verteilt werden. Es sollte keiner zwangsverpflichtet werden, aber die Unterstützung muss verbindlich sein. Dadurch entschärfen Sie viele Belastungen bzw. verhindern ihr Auftreten.

Grundvoraussetzungen klären bei der Übernahme einer Pflege:

  • Warum möchte ich die Pflege übernehmen?
  • Was glaube ich, wie lange ich die Pflege ausüben werde?
  • In welcher Häuslichkeit findet die Pflege und Betreuung statt?
  • Ich berufe einen Familienrat ein, um die Organisation der Pflege gemeinsam zu besprechen.
  • Ich nehme ein Pflegeberatungsgespräch in Anspruch!
  • Habe ich einen Pflegekurs (speziell für den Umgang mit Menschen mit Demenz) besucht?
  • Was muss ich beachten, wenn ich einen hilfsbedürftigen Menschen pflegen und betreuen möchte?
  • Wie erstelle ich mir einen strukturierten Tagesablauf?
Esszimmer

Pflegeperson

Diese Darstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Tabelle soll Ihnen einen Großteil der Ursachen aufzeigen, die zu Gefährdungen bei der häuslichen Pflege führen, und Maßnahmen angeben, wie Sie diesen Gefährdungen vorbeugen und sich davor schützen können.

Gefährdungen, die durch nicht sachgemäße Ausstattung der Pflegeperson entstehen können.

Ursachen

Gefährdungen

Maßnahmen

Zu weite Kleidung

Hängen bleiben

Folge:
Stürzen, Stolpern

Lockere, nicht zu weite Kleidung

Zu lange und zu weite Ärmel

Hängen bleiben

Übertragung von Krankheitserregern/Infektionsgefahr

Ärmellänge bis zum Handknöchel, Ärmelweite bis Faustgröße

Zu lange Hosen, Kleider und Röcke

Stolpern

Stürzen

Länge bis ca. Fußknöchel

Ungeeignetes Schuhwerk

Stolpern

Stürzen

Übertragung von Krankheitserregern/ Infektionsgefahr

Abwaschbare, gut sitzende (nicht zu enge und nicht zu weite), feste, rutschhemmende, vorn und hinten geschlossene Schuhe

Langes offenes Haar
(an den Haaren ziehen)

An den Haaren gezogen werden

Hängenbleiben

Übertragung von Krankheitserregern

Haare zusammenstecken oder zusammenbinden

Tragen von Schmuck

Hängen bleiben

sich Stechen

Übertragung von Krankheitserregern/
Infektionsgefahr

Schmuck ablegen

Zu lange Fingernägel

Übertragung von Krankheitserregern/
Infektionsgefahr

Einreißen der Fingernägel

Kurz geschnittene Fingernägel

Tätigkeit: Unterstützung bei der Mobilität im Esszimmer

Ursachen

Gefährdungen

Maßnahmen

Keine Kenntnis davon, wie der Pflegebedürftige beim Aufrichten, Aufstehen und Gehen richtig unterstützt wird, zum Beispiel auf dem Gang zur Toilette

Stolpern

Stürzen

Zwangshaltung

Folge:
Langzeitschäden der Wirbelsäule

sich Verheben

Fachwissen in Pflegekursen erwerben; wie unterstütze ich richtig beim Gehen? Wie führe ich aktivierende Pflege korrekt aus?

Den pflegebedürftigen Menschen soweit es geht alleine machen lassen! Nur so viel Unterstützung wie nötig geben

Der Pflegebedürftige wird beim Aufrichten und Aufstehen nicht mit eingebunden oder erhält nur unzureichend Informationen über die Pflegetätigkeit

sich Verheben

Zwangshaltung

Folge:
Langzeitschäden der Wirbelsäule

Aktivierende Pflege ausführen

Kein ergonomisches (rückenschonendes) Arbeiten

sich Verheben

Zwangshaltung

Folge:
Langzeitschäden der Wirbelsäule

Rückenschonende Arbeitsweisen und den Einsatz von Hebehilfen, Hilfsmitteln usw. in Pflegekursen erlernen
Tätigkeit: Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme am Tisch

Ursachen

Gefährdungen

Maßnahmen

Ungünstige Sitzposition beim Anreichen des Essens

Zwangshaltung

Folge:
Langzeitschäden der Wirbelsäule

sich Verheben

Rückengerechte, angenehme Sitzposition einnehmen

Dem Bedürftigen auf gleicher Höhe mit geradem Rücken gegenübersitzen

Nicht sachgerechtes Anreichen des Essens, zum Beispiel wenn das Essen im Stehen angereicht wird

Zu heiße Kost

Ungeeignetes Essgeschirr und ungeeignete Trinkgefäße (zu flache Teller und normale Kaffeetassen)

sich Verbrühen

sich Verbrennen

Fachwissen über richtige Hilfestellungen beim Anreichen des Essens erwerben

Überprüfen der Nahrung (zu heiß)

Benutzung von speziellem Essgeschirr, zum Beispiel Teller mit hohem Rand und Schnabeltasse bei Bedarf
Ungünstige Sitzposition bei Gesellschaftsspielen

Zwangshaltung

Folge:
Langzeitschäden der Wirbelsäule

Rückengerechte, angenehme Sitzposition einnehmen

Dem Bedürftigen auf gleicher Höhe mit geradem Rücken gegenübersitzen
Pflegeperson

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